Meine Eindrücke über meinen Reise nach Afghanistan.
Endlich konnte ich nach 12 langen Jahren Spätsommer 2002 wieder nach Afghanistan. Die Sehnsucht meine Familie wieder zu sehen war sehr groß und voller Spannung. Seitdem das fundamentalistische Taliban Regime zerschlagen war, habe ich ständig nachgedacht, wie ich so schnell wie möglich nach Afghanistan fliegen kann, bis ich mich entschlossen hatte, im September zu fliegen. Einen direkten Flug von Deutschland nach Afghanistan gab es leider nicht. Mittelweile ist es möglich von Frankfurt nach Kabul zu fliegen.
Eine Flugkarte nach Afghanistan zu buchen war nicht einfach. Es gab drei Möglichkeiten, entweder über Teheran, Dubai oder Delhi zu fliegen. Ohne das Internet wäre ein Ticketkauf nach Afghanistan noch schwerer.
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Dubai's alter Flughafen |
Endlich bin ich vom Frankfurter Flughafen nach Dubai geflogen. In Dubai hatte ich ca. 8 Stunden Aufenthalt. Ich musste ca.10 Minuten mit dem Taxi zum alten Flughafen fahren und von dort ging mein Flug in Richtung Kabul. Im Flugzeug der afghanische Fluggesellschaft Ariana war nette Atomsphäre, die Stewardessen waren sehr freundlich und nett. Nach ca. 2,5 Stunden Flug hat man das afghanische Gebiet erreicht und von oben konnte man die Bergspitzen erkennen.
Während der Landung hat man die Haufen von zerstörten und kaputten Flugzeugen, Hubschraubern und anderen Artilleriegeräten gesehen. Das Terminalgebäude war von außen frisch renoviert und die Innenräume waren provisorisch eingerichtet.
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Kabul: Afghanische Fluggesellschaft Ariana |
Es war ein gutes Gefühl von afghanischen Soldaten nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug in unserer Heimat begrüßt zu werden. Noch bevor ich meine Koffer abholte, kam mein Bruder schon auf mich zu. Wir küssten und umarmten uns herzlich. Es war ein überwältigendes Gefühl, seinen jüngeren Bruder nach 12 Jahren in die Arme schließen zu können.
Vor dem Flughafen umarmten und küssten mich plötzlich Menschen, von denen ich manche auf den ersten Blick nicht erkannte. Es waren Verwandte und Bekannte, von denen manche Kinder waren, als ich zuletzt in Afghanistan war.
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Kabuler Flughafen |
Da meine Familie in Mazar-i-Sharif im Norden des Landes wohnen, mussten wir am gleichen Tag ca. 450 km über den Salangpass fahren.
Erst einmal war die Fahrt durch Kabul chaotisch.. Es gibt dort Fahrzeuge aller Modelle und jeden Baujahres. Manche fahren links wie hier manche wie in England rechts. Ich hatte die Stadt Kabul ganz anders im Erinnerung. Ich war schockiert über das Ausmaß der Zerstörung.
Die Reise nach
Mazar-i-Sharif
Wir wollten möglichst schnell die Stadt verlassen und weiter in Richtung Norden fahren, weil meine Familie ganz ungeduldig auf mich in Mazar-i-Sharif wartete.
Als wir die Schamalie-Ebene nördlich von Kabul, wo früher eine grüne Oase war und vor allem seine Weinplantage im ganzen Afghanistan bekannt ist, erreichten, konnte ich nicht meinen Augen trauen, was ich dort sah . Leider haben die Taliban das ganze Gebiet in eine Mondlandschaft verwandelt. Man sieht dort kaum was noch Grünes. Die Straßen sind teilweise gut aber in vielen Abschnitten sind sie total zerstört. Man hat versucht, sie provisorisch zu reparieren.
Unterwegs
wollten meine Begleiter Rast machen, obwohl ich
kein Hunger hatte. Nach 12 Jahren habe ich wieder
original afghanische
Gerichte gegessen. Als Nachtisch gab es meine Lieblingsfrüchte
- Zuckermelonen. Ich habe es genossen. In den Restaurants sind überall die Bilder
des neuen
afghanischen Nationalheldes
Massud zu sehen.
Wir
mussten relativ schnell essen, weil wir noch eine lange Reise vor uns hatten.
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In diesem Restaurant haben wir Rast gemacht |
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Es ist üblich mit den Händen zu essen. Reis mit Lammfleisch und als Nachtisch Melone hat sehr gut geschmeckt |
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Die Straßen sind auf vielen Abschnitten total zerstört |
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Überall sieht man die provisorisch gebauten Brücken |
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Wenn man vom Kabul in Richtung Norden fährt, sieht man überall die Spuren des 23. jährigen Krieges |
Als wir den Salangtunnel in ca. 3500 Meter Höhe erreichten, haben wir ein Paar Fotos gemacht frisches kaltes Quellwasser getrunken. Die Luft war relativ kalt aber angenehm. Nach dem Tunnel sind wir dann bergab gefahren. Auch hier sieht man natürlich überall verbrannte Autos, Panzer und zerstörte Häuser und Straßen. Teilweise versuchen Kinder dich über die kaputten Straßen gut zu lotsen (räumen Geröll zur Seite oder lotsen einen über schmale Behelfsbrücken). Dafür möchten sie etwas Geld.
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Die einzigste Verbindung
zwischen Norden und Kabul ist der Salang-Tunnel, der sich in sehr
schlechtem Zustand befindet. Er führt über das ca. 4000 m hohe Hindukusch
Gebirge. . |
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Die Aussichten waren einmalig und wunderschön |
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Rechts und links des Passes wirken die Bergen majestätisch. Ein Esel genießt die Landschaft und frisst was Grünes. |
Links und rechts von der Straße sah ich die beeindruckenden und markanten Berge des Hindukushs. Manche Aussichten waren einmalig. Weil die Straßen im schlechten Zustand sind, musste unser Taxifahrer langsam und vorsichtig fahren. Deswegen sind wir bei Dunkelheit in Mazar-i-Sharif angekommen. Die Freude war natürlich sehr groß, die Familie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Es war viel zu erzählen.......
Allgemeine Lage In Mazar und Umgebung
Ich war ca. 3 Wochen im Norden von Afghanistan, in Mazar-i-Sharif, gewesen.
Wie wir alle wissen, hat der 23-jährige
Krieg und die Taliban-Herrschaft auch die Stadt Mazar-i-Sharif zerstört und
ruiniert.Der Kampf gegen Taliban Milizen und Al-Quaida wurde erstmals bei Mazar-i-Sharif begonnen.
Das Ausmaß an Zerstörung von Schulen, Häusern,
Straßen, Bewässerungsanlagen, Brücken, Bäumen und Plantagen sind hier überall spürbar.
Ich habe eininge Schulen, wie"Sari-Nahri-Top" in Mazar-i-Sharif besucht. Die Unterrichtsräume haben
keinen Dach, die Kinder müssen bei 40 Grad im Freien auf dem Boden sitzen.
Es gibt weder Stuhl noch Tisch, sogar die Schultafeln fehlen.
Es gibt in der ganzen Stadt keine Stadtbibliothek, wo die Menschen sich informieren können.
Viele Familien haben behinderte Kinder, aber Sie können die Kinder nicht
ernähren.
Ein Familienvater bekommt am Tag 60 Afghani als Arbeitslohn. Das entspricht
1US $. Ein Kilo Lammfleisch kostet 2,2 US $.
Die Straßen innerhalb der Stadt sind so schlecht. Diesen Zustand kann man sich
hier in Europa kaum vorstellen.
Die Wasserversorgung ist teilweise sehr schlecht. Auf dem Land müssen die
Menschen mehrere Kilometer laufen, um Trinkwasser zu holen.
Es gibt viele Flüchtlinge, die obdachlos sind. Sie wissen nicht, wo sie mit
Ihren Kindern schlafen sollen. Dazu der bitterkalte Winter.
Es gibt viele Witwen, die nicht genug Geld haben um für Ihre kranken Kinder
Medikamente zu kaufen. Außerdem brauchen alle Krankenhäuser in jeder
Hinsicht Unterstützung.
Die Frauenrechtlerin, Frau Osmanie, hat keine
großen finanziellen Möglichkeiten, den unzähligen hilfsbedürftigen Frauen zu helfen. Selbst der
Zustand und die Ausstattung ihres Büros ist schlecht.
Ich habe dort festgestellt, dass die Not und das Leid der Menschen im Norden
genau so groß ist wie im Süden oder Kabul bzw. im Westen des Landes.
Die Bevölkerung in Mazar-i-Sharif schaut hoffnungsvoll in die Zukunft und würde
sich freuen, wenn die Internationale Organisationen Ihnen beim Wiederaufbau, wie in
anderen Regionen des Landes, helfen würde.
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In den ca.3 Wochen, in denen ich im Norden unterwegs war, habe ich keine
Kriegswirren oder ähnliches feststellen können. Ich habe persönlich mit dem
General Atta Mohammed Noor gesprochen. Er vermittelte mir die positiven
Eindrücke, dass in Mazar-i-Sharif alle Afghanen friedlich miteinander leben.
Jeden Donnerstag wird in seiner Anwesenheit live im lokalen Fernsehen
das Programm "eure Stimme" übertragen, wo sich jeder Bürger der Stadt über
jeden Politiker oder andere Institutionen äußern kann. Ich denke, nach 23
Jahre Krieg in einem Land wie Afghanistan könnte das eine guter
demokratischer Anfang sein.
Reisebericht: Spätsommer 2002 |