Mazar-i-Sharif
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Mazar-i-Sharif liegt in einer Gebirgsflussoase, in der bei intensiver Bewässerung Baumwolle, Tabak, Getreide, Gemüse, Melonen, Pfirsich- u.a. Obstbaumkulturen angebaut werden. Im Großraum von Mazar-i-Sharif gibt es die Karrhakuhlschafzucht. Durch den 23-jähirgen Krieg und der Tyrannei des Talilban-Regimes ist die Infraaststruktur in und um Mazar-i-Sharif zum größten Teil zerstört. Bis in die 80-er Jahre rühmte sich die Stadt eine gut ausgebaute Leichtindustrie vorweisen zu können. Es gab dort ein Brotkombinat, ein Wärmekraftwerk auf Erdgasbasis (Pipeline bei Shibarghan), Textilindustrie, Baumwollenverarbeitungsfabrik. Bis heute existiert noch eine Düngemittelfabrik. Es werden Seidenwaren, Teppiche, und Baumwollprodukte unter einfachsten Bedingungen weiterhin hergestellt, um mit geringen Einnahmen der privaten Kleinstmanufakturen die vielköpfigen Familien von einen Tag zum anderen mit der minimalsten Grundversorgung ernähren zu können. In Mazar-i-Sharif gibt es einen Flugplatz, der für einen zukünftigen internationalen Flugbetrieb wieder aufgebaut werden soll. Nach der Stürzung der Taliban in Mazar-i-Sharif wurde die Universität, das medizinische Institut, die Pädagogische Hochschule und zahlreiche allgemeinen Schulen wieder eröffnet. Der Unterricht dort findet in den provisorischen Einrichtungen statt, in denen es an grundlegender Ausstattung fehlt. Mazar-i-Sharif ist im Norden Afghanistans eine der wichtigsten Städte. Schon während der Invasion der Sowjetunion war Mazar-i-Sharif für sie eine strategisch wichtige Stadt. Geschichtlich belegt ist, das hier durch die ehemaligen gut funktionierenden Bildungseinrichtungen ein großes intellektuelles Potential existierte. Diesen Einfluss kann man heute anhand des Wissensdrangs und des großen Interesses an der politischen Entwicklung des Landes nach dem Sturz der Taliban im Großteil der Bevölkerung spüren. Die lokalen Fernseh- und Rundfunkanstalten haben ihren Betrieb schnell wieder aufgenommen. Es existieren über 30 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in Mazar-i-Sharif, die den nicht analphabetischem Teil der Einwohner und denen, die sich es finanziell leisten können mit allgemeinbildenden Artikeln aus Politik, Literatur, Kunst, Wissenschaft und allgemeinen lokalen sowie internationalen Nachrichten versorgen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die (Rauza), die Grabmoschee des Kalifen Ali, die aus dem 15.Jh. stammt. Die Rauza ist für die Schiiten eine der bedeutendsten Wallfahrtsorte. Die Wände der prunkvollen Moscheeanlage sind vollständig mit glasierten Kacheln verkleidet. Sie zählt zu den wichtigsten Kunstschätzen der islamischen Welt. Jedes Jahr werden hier am 21. März, Frühlingsanfang, das persisch-afghanische Nauroz ( Neujahrsfest) besonders gefeiert. Zum Nauroz kommen viele Pilger aus dem In- und Ausland, um sich an den religiösen Ereignissen zu beteiligen. Das Fest dauert 40 Tage. In den Teehäusern und Restaurants wird Live-Musik gespielt und die Sportbegeisterten schauen dem Nationalsport 'Buzkashi' oder dem Ringen zu. Die Kinder freuen sich auf die Kinderspiele. Jeder versucht sich für dieses Fest neue Kleider zu leisten. Das Fest ist außerdem unter dem Namen 'Gul i Surch' bekannt. Das Fest der roten Blumen bzw. Tulpenfest Überall, soweit das Auge schauen kann, ist das hügelige Umfeld von roten Mohnblumen übersät. Das Massaker in Mazar: "Am 8. August 1998 eroberte die radikal-islamische Taliban-Bewegung mit Unterstützung von Truppen aus Pakistan die Stadt Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans. In den ersten sechs Tagen nach dem Fall der ehemaligen Hauptbasis der sogenannten Nordallianz, eines Bündnisses verschiedener Widerstandsgruppen gegen die Taliban, wurden gemäß einem Bericht des Sonderberichterstatters der UN-Menschenrechtskommission, Choong-Hyun Paik, vom 6. November 1998 zwischen 4.000 und 5.000 Angehörige der Volksgruppen der Tadschiken und Usbeken, vor allem aber Hazara, ermordet. Der UN-Sonderberichterstatter sprach von
einem „Mordrausch" (killing frenzy). Die Exekutionen seien „systematisch,
geplant und wohlorganisiert" gewesen. Vor allem auf Hazara, die sich im
Unterschied zur Mehrheit der Afghanen meist zur schiitischen
Glaubensrichtung des Islam bekennen, hätten die sunnitischen Taliban, die
sich mehrheitlich aus der Volksgruppe der Paschtunen rekrutieren, Jagd
gemacht. Schätzungsweise 3.000 Hazara seien in ihren
Häusern oder auf den Straßen umgebracht worden. Die amerikanische
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sprach in einem im
November 1998 veröffentlichten Bericht von mindestens 2.000 Ermordeten und
bestätigte, daß hauptsächlich Hazara Opfer der Massaker wurden. Mehrere Dutzend Hazara wurden am Grabmal von Mazari, dem ersten Vorsitzenden der Hazara-Einheitspartei Hezb-e Wahdat, den die Taliban 1996 umgebracht hatten, geradezu rituell hingerichtet. Das Grabmal selbst wurde geschändet, die Gebeine des Märtyrers aus gegraben und verstreut. Menschen, die aus Mazar-i-Sharif zu flüchten versuchten, wurden von den Taliban kontrolliert, alle Hazara festgenommen, Männer und Jungen von den Frauen und Mädchen getrennt, in verschiedene Gefängnisse bzw. Lager abtransportiert. Mehrere Flüchtlinge meldeten Vergewaltigungen junger Hazara-Frauen ein Verbrechen, das sonst von Taliban-Soldaten kaum bekannt geworden ist. Ein Zeuge berichtete einer Hazara-Partnerorganisation der GfbV über das Schicksal seiner Nachbarfamilie: „Bevor die Taliban das Haus erreichten, konnten die Männer fliehen. Nur die Frauen und ein Baby blieben zurück. Das Kind war erst sechs bis sieben Monate alt. Die Taliban erkundigten sich nach dem Geschlecht des Babies. Die Mutter versicherte, es sei weiblich. Doch sie glaubten dies nicht und prüften es nach. Oh Gott! Welch ein herzzrrreißender Moment. Einer der Taliban kam nach vorne und setzte ihren Fuß auf das Bein des Babys, nahm den anderen Fuß des Kindes und zerriss das Wesen in zwei Hälften. ..." |